Zwetschgen und Pflaumen

Zur Gruppe der Pflaumen Prunus domestica werden neben den Zwetschgen auch die Reineclauden (ssp. syriacca) und Mirabellen (ssp. italica) gezählt. Über Systematik und Herkunft ist wenig bekannt, jedoch scheint der Ursprung im asiatischen Raum zu liegen. Von dort stammt auch die Kirschpflaume oder Myrobalane (Prunus cerasifera) die häufig als Unterlage für die Pflaumensorten verwendet wird. In der Schweiz wurden im Rahmen der Inventarisierung und der folgenden Beschreibungsprojekte 285 eigenständige Sorten bestimmt.

Die meisten Sorten sind nicht in der Schweiz entstanden, werden aber seit vielen Jahrzehnten hier angebaut. Dadurch haben sie einen soziokulturellen Bezug zu einem Dorf oder einer ganzen Region erhalten. Wie zum Beispiel im Jura die Damassine, eine vermutlich aus Syrien (Damaskus) stammende Sorte. Oder die deutsche Sorte Bühler, eine Zwetschge mit einst grosser Bedeutung für die Produktion auf den Juraböden der West- und Nordwestschweiz. Oder die berühmte Fellenberg, die aus Italien in die Schweiz gebracht worden ist. Eine der raren Schweizer Vertreterinnen ist die Prune de Chézard, die 2013 zur Obstsorte des Jahres gekürt worden ist. Sie hat ihren Ursprung als Sämling im Neuenburger Jura. 

In den Westschweizer Kantonen (ohne Wallis) liegt die grösste Pflaumen- und Zwetschgenvielfalt. Rund ein Viertel aller inventarisierten Pflaumen-Sorten kommen vor.

Zwetschgen und Pflaumen sind dankbar für viel Licht und Wärme. Der wichtigste Faktor für die Aromabildung ist die Sonne. Was die Bodeneigenschaften betrifft, sind sie dagegen recht anspruchslos. Zwetschgen und Pflaumen ziehen sogar eher magere Standorte den gut versorgten, stark wüchsigen Böden vor.

Im Unterschied zu Äpfeln, Birnen und Kirschen brauchen die meisten Pflaumenartigen keine andere Sorte für die Befruchtung der Blüten. Die Fähigkeit zur Selbstbefruchtung hat zur Folge, dass sich die Nachkommen teilweise kaum erkennbar von ihrem Mutterbaum unterscheiden und die Sortenvielfalt deshalb geringer ist als bei den fremdbefruchtenden Obstarten. Dennoch gibt es auch bei den Pflaumen und Zwetschgen eine grosse Vielfalt an Formen, Farben und Aromen.

Der wesentlichste Unterschied zwischen Pflaumen und Zwetschgen liegt in den Fruchteigenschaften. Die eher runden, weichfleischigen Pflaumen zerfallen beim Kochen und werden sauer. Dagegen eignen sich die länglichen, festfleischigen Zwetschgen ausgezeichnet für Brände und die Verwertung in der Küche, wo Aroma und Zucker voll zur Geltung kommen.

Sortenporträts

Agroscope hat im Auftrag von FRUCTUS und mit finanzieller Unterstützung des Bundesamtes für Landwirtschaft dreizehn Sorten Sortenblätter erstellt. Diese finden Sie auf der Seite “Sortenporträts”.

Sorten für den Hausgarten oder Feldobstbau

Bei Fragen zu alten Pflaumen- oder Zwetschgensorten wenden Sie sich bitte an die FRUCTUS-Beratung.