QuitteN

Die Quitte (Cydonia oblonga) gehört wie die Birnen und Äpfel zu den Rosengewächsen. Während bei anderen Obstarten die Verwendung des Sortennamens selbstverständlich ist, werden Quitten aller Sorten landläufig einfach «Quitte» genannt. Auch in den alten Pomologien ist meistens nur von Birnen- und Apfelquitten die Rede. Damit wird jedoch nur die äussere Form umschrieben. FRUCTUS hat in einem Inventarisierungsprojekt verschiedene Sorten gefunden. Diese wurden danach in Primärsammlungen angepflanzt.

Im Obstfachbuch der Eidg. Forschungsanstalt Wädenswil von 1997 sind fünf Quittensorten aufgeführt:

  • Ronda (Schweiz, 1984): Dieser Sämling der amerikanischen Sorte Reas Mammuth wurde an der Forschungsanstalt Wädenswil selektioniert.
  • Vranja (Serbien, 1898)
  • Champion (USA)
  • Bereczki (Ungarn, 1883)
  • Bourgeault (Frankreich)

Heute sind in den Baumschulen weitere Sorten erhältlich. Darunter Cydora robusta, eine Züchtung aus Geisenheim (D, 1998). Die Sorte verspricht, weniger anfällig für Feuerbrand zu sein. In der Praxis hat sich dies allerdings nicht bestätigt.

Neue Sorten

Mit Unterstützung des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW) und in Zusammenarbeit mit Agroscope Wädenswil sowie der Firma ecogenics GmbH in Balgach und diversen FRUCTUS-Obstexperten hat FRUCTUS in den Jahren 2017 und 2018 das NAP-PGREL Inventarisierungsprojekt alter Quittenbäume durchgeführt, um alte, seltene und robuste Sorten aufzuspüren.

Zum Projektstart hat FRUCTUS mit einer Medienkampagne die Bevölkerung aufgerufen, alte Quittenbäume mit einem Stammumfang von 130 cm oder mehr zu melden. Erfreulicherweise sind darauf weit über 200 Meldungen eingegangen, darunter sehr viele Bäume, die rund 70 Jahre alt oder älter sind.

Mit der Unterstützung des BLW wurden bei der Firma ecogenics GmbH Blattproben von 174 Bäumen molekulargenetisch analysiert. Die Resultate in der nachfolgenden Tabelle zeigen, dass rund die Hälfte der Meldungen der Sorte Vranja angehören.

Anzahl alter, grosser Bäume sowie Zuordnung basierend auf einer molekulargenetischen Analyse. Fett markiert sind Funde von Bäumen, die zu keiner bisher bekannten Sorten gehörten. Der aufgeführte Name entspricht einem der Fundorte dieser Sorte bzw. Gengruppe.
Die Sortennamen in Klammern weisen darauf hin, dass die gefunden Bäume molekulargenetisch zwar einer eigenen Gengruppe zugeordnet werden, aber mit der Sorte in Klammern eng verwandt sind.

  • Vranja: 90 Bäume
  • Bereczki: 31 Bäume
  • Basilea: 21 Bäume
  • Effretiker: (Font.-s-Grandson) 10 Bäume
  • Fontaines-sur-Grandson (Synonym: Coing Pomme): 7 Bäume
  • Thun Quitte: 3 Bäume
  • Bourgeault: 2 Bäume
  • Vogelrüti (Basilea): 2 Bäume
  • Konstantinopeler: 2 Bäume
  • Wegenstetter (Basilea): 2 Bäume
  • Gyrenbader Quitte: 1 Baum
  • Riedern B301: 1 Baum
  • Münchensteiner (Basilea): 1 Baum
  • Penthaz (Font.-s-Grandson): 1 Baum


Einzigartige Sorte

Bei der Inventarisierung wurde auch ein rund 100-jähriger Baum in Gyrenbad im Zürcher Oberland gemeldet. Die molekulargenetische Untersuchung zeigte: Die Sorte unterscheidet sich genetisch deutlich von allen andern Sortenprofilen. Es wurden keine weiteren Bäume derselben Sorte gefunden. Der Baum ist somit ein klares Unikat, und die Sorte erhielt von FRUCTUS den Namen “Gyrenbader Quitte”. Die eher kleinen Früchte sind von guten inneren Werten und die Sorte zeigt sich robust gegen die Quittenblattbräune an Blättern und Früchten.

Von den neu gefundenen Sorten wurden je zwei Bäume in zwei Primärsammlungen neu gesetzt. Ihr Wachstum sowie ihre Früchte werden im Rahmen eines BEVOG-Projektes erfasst.

Feuerbrand

Im Jahr 1951 wurden im Schweizer Feldobstbau 113‘000 Quittenbäume gezählt. 1989 jedoch trat die für das Kernobst gefährliche Bakterienkrankheit Feuerbrand erstmals in der Schweiz auf . In den folgenden Jahren fielen der Krankheit ein Grossteil der Quittenbäume zum Opfer. Die feuerbrandanfällige Quitte geriet als Infektionsherd für Apfel- und Birnbäume in Verruf und die professionelle Produktion brach fast vollständig ein. Inzwischen konnte der Umgang mit Feuerbrand angepasst werden. Eine professionelle Quittenproduktion ist jedoch nur an Standorten mit wenig Krankheitsdruck denkbar. Deshalb kann die Nachfrage nach Schweizer Quitten trotz einer leichten Zunahme der Anbaufläche aktuell nicht gedeckt werden.

Quittenbäume jeden Alters müssen regelmässig auf meldepflichtigen Feuerbrand kontrolliert werden. Wo die Überwachung der Bäume nicht garantiert ist, sollten keine Quitten gepflanzt werden. Zur Vorbeugung gegen Pilzkrankheiten, insbesondere der Quittenblattbräune, wird der Baum am besten an einem sonnigen und warmen Standort gepflanzt.

Quitten im Hausgarten

Quitten lassen sich im Hausgarten pflanzen, müssen aber regelmässig auf Feuerbrand überprüft werden. In den zwei folgenden Artikel erfahren Sie mehr dazu.