Promotion von Obstgenressourcen

Das Projekt PROGR will die Promotion von wertvollen alten Apfelsorten Richtung Markt und Öffentlichkeit vorantreiben. Die vielversprechendsten „wiederentdeckten“ Sorten aus den bisherigen FRUCTUS Projekten sollen wieder geplanzt, geerntet, verarbeitet und genossen werden. So enstehen Werschöpfungsketten die den Erhalt der Biodiversität in unseren Obstgärten und die Vielfalt auf unseren Tischen sichern. Das Projekt läuft von 2020 bis 2023.

FRUCTUS wiederentdeckte Sorten

Möchten Sie Bäume pflanzen, Früchte verarbeiten oder probieren? Bei Fragen und Interesse wenden Sie sich an die Projektleiterin Anna Dalbosco (für Kontaktformular hier klicken).

Niederhelfenschwiler Beeriapfel – lokales Kulturerbe in der Flasche


Einst war der «Niederhelfenschwiler Beeriapfel» eine regional bekannte und geschätzte Mostapfelsorte. Trotzdem konnte sich die Sorte überregional nie durchsetzen und wurde mit der Zeit von moderneren, ertragreicheren Sorten verdrängt. Bis heute stehen in der Gemeinde Niederhelfenschwil jedoch mehrere alte Hochstammbäume und die gute Fruchtqualität, sowie der robuste Baum machen die Sorte in der heutigen Zeit wieder interessant.
Nun wurden erstmals in Herbst 2020 aus den Früchten ein sortenreiner Most gepresst und dieser regional vermarktet. Weitere Verarbeitungen und Produkte dürften in den kommenden Jahren wohl hinzustossen. Während der vierjährigen Testphase werden die Beeriäpfel von bestehenden Baumbeständen von den Landwirten in der Gemeinde geerntet und in der Mosterei von Beat Moser vor Ort gemostet. Der Saft wird mit Kohlensäure versetzt und in den drei Dorfläden der Gemeinde als spritziges Aperogetränk in Fläschchen verkauft. Somit wird fast die gesamte Wertschöpfung des Beeriapfel-Süssmosts in der Gemeinde selbst generiert wird. Die beteiligten Landwirte erhalten für ihre Früchte den Preis für Spezialmostäpfel (0.33 CHF/kg) und somit einen fairen Erlös. Das «Beeriapfel» Projekt entsteh aus einer Zusammenarbeit mit der Gemeinde Niederhelfenschwil, der Kantonalen Fachstelle für Obstbau und der IG Landwirtschaft unter der Leitung von FRUCTUS. Anliegen des Projektes sind die Etablierung einer regionalen Wertschöpfungskette und die Nutzung dieser alten Sorte um somit ihren Erhalt für die kommenden Generationen zu garantieren.

Details zum sortenreinen Most
Apfelsüssmost aus 100% Niederhelfenschwiler Beeriäpfeln. Kohlensäurehaltig. Pasteurisiert.
Gepresst durch Beat Moser, 9527 Niederhelfenschwil. Abgefüllt durch Mosterei Kobelt AG, 9437 Marbach. 27.5 cl pro Fläschchen.
Erhältlich seit Dezember 2020 in den Läden der Gemeinde Niederhelfenschwil, Zuckenriet, Lenggenwil.

Besitzen Sie selber Niederhelfenschwiler Beeriapfel und möchten dem Projekt «Beeriapfel» gerne beitreten? Möchten Sie den sortenreinen Süssmost gerne in Ihrem Ladensortiment aufnehmen? Haben Sie eine tolle Idee für ein Beeriapfel-Produkt? Kontaktieren Sie bei Interesse oder Fragen Projektleiterin Anna Dalbosco (für Kontaktformular hier klicken).

Wehntaler Hagapfel – hat das Zeug zum Spezialmostapfel


Der Wehntaler Hagapfel ist eine wahre Entdeckung. Die Sorte weist eine hohe Robustheit gegenüber Mehltau und Schorf auf und der Baum bleibt bis in den Herbst hinein gesund. Auch der neue Erreger Diplocarpon coronariae (Marssonina) konnte beim Wehntaler bis jetzt kaum festgestellt werden. Bei Baumschulen ist er beliebt dank seines kräftigen und gesunden Stammes und das dadurch verminderte Krebsrisiko. Und -das Beste kommt zum Schluss- seine grossen rot-grünen Früchte geben einen ausgezeichneten Most! Deshalb wurde die Sorte auch 2015 zur Schweizer Obstsorte des Jahres gekürt.


FRUCTUS ist derzeit im Gespräch mit dem Schweizer Obstverband (SOV) um diese Sorte, trotz noch geringen lieferbaren Mengen, in die Spezialmostapfel-Liste aufzunehmen. Damit nämlich solche robusten und wertvollen Sorten von den Landwirten und Obstbäuerinnen gefragt werden, müssen diese als Spezialmostäpfel zu den Mostereien geliefert werden können. Sonst ist der wirtschaftliche Anreiz in der Landwirtschaft meist zu tief, um auf robuste Sorten umzusteigen. Der Wehntaler befindet sich derzeit also in Prüfung und die Ergebnisse der Pressversuche 2020 sowie die wertvollen Beobachtungen am Strickhof (ZH) zur Marssoninarobustheit (https://www.strickhof.ch/publikationen/marssonina-blattfallkrankheit-sortenversuch/) werden dem SOV vorgelegt werden. Robuste Sorten, wie der Wehntaler Hagapfel, wären ein wichtiger Beitrag zur Reduktion von Pflanzenschutzmittel in den Schweizer Mostobstgärten und ein Schritt in Richtung nachhaltigere Landwirtschaft.

Interessieren Sie sich für den Wehntaler Hagapfel? Oder möchten Sie solche pflanzen? Kontaktieren Sie bei Interesse oder Fragen Anna Dalbosco (für Kontaktformular hier klicken).

SorteSäure(g/kg)°BrixZSV ber.Folin mg/LSorbit g/L
Wehntaler Hagapfel5,613,824,67147,5
Pressversuch Herbst 2020: 200 kg Äpfel auf Bandpresse am Kompetenzzentrum Strickhof (ZH), Saftanalysen bei Agroscope Wädenswil.

Kaister Feldapfel- der verlorene Sohn

In den Jahren 2000 bis 2005 wurde im Auftrag des Bundesamtes für Landwirtschaft eine nationale Obst- und Beerensorten Inventarisierung durch-geführt. Dabei konnten knapp 195’000 selten gewordene Obstbäume und Beerenproben von rund 12’000 Personen gemeldet und in die Projektdatenbank aufgenommen werden. Einer dieser „Sammler und Retter“ stammt aus der Gemeinde Kaisten am Rand des aargauischen Tafeljuras und hatte damals eine Probe eines bereits 80-jährigen Hochstammbaumes aus seinem Obstgarten eingeschickt. Dazu den Vermerk: Guter Mostapfel. Sortenbestimmung: Unbekannt. Wie bei so vielen, war dieser Mutterbaum einfach der Apfelbaum neben dem Haus oder jener unten am Bach oder der auf dem Feld. Erst durch den Vergleich mit den anderen, unzähligen Apfelpro-ben, die bei der Inventarisieren eingereicht wurden, zeigte sich, dass diese „Kaistner Sorte“ etwas ganz besonderes war: Sie war einmalig. Von allen anderen Proben gab es keine die identisch war, keinen Namen, den man schon kannte.

Als in den darauffolgenden Jahren all diese Sorten im Feld angebaut wurden, um deren Krankheitsrobustheit und Wachstum zu beobachten (BEVOG Projekte), fand man schnell heraus, dass diese Sorte auch noch dazu sehr vielversprechend ist. Der “Kaister Feldapfel”, benannt nach seinem Heimatsort, einem Feld in Kaisten, stellt sich als schwach anfällig auf Krankheiten heraus und gibt zudem noch äusserst attraktive und aromatische Äpfel.
Der ursprüngliche Mutterbaum wurde altersbedingt gerodet, doch konnte, dank der “Rettungsaktion” der Inventarisierung und des ehemaligen Besitzers, die Sorte erhalten bleiben und steht heute in einigen Erhaltungssammlungen sowie der Schweizer Kernsammlung Apfel (Swiss Apple Core Collection). Nun möchte FRUCTUS den fast verlorenen Sohn wieder zurückgeben und hällt Ausschau nach interessierten Landwirtinnen, Hobbygärtnern und Organisationen in und um Kaisten um ein gemeinsames Projekt zu lancieren. Fest steht: diese wertvolle alte Sorte gilt es zu erhalten und wieder zu nutzen.

Interessieren Sie sich für den Kaister Feldapfel? Oder möchten Sie solche pflanzen? Kontaktieren Sie bei Interesse oder Fragen Anna Dalbosco (für Kontaktformular hier klicken).


Diese Projekte werden im Rahmen des Nationalen Aktionsplanes zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung pflanzengenetischer Ressourcen durch das Bundesamt für Landwirtschaft finanziert.