Beschreibung von Obstgenressourcen

News aus den BEVOG und NUVOG Projekten:

Beschreibung und Dokumentation

Die Vielfalt der Schweizer Obstgenressourcen wird seit 2000 unter anderem bei Agroscope in Wädenswil im Auftrag der Vereinigung FRUCTUS beschrieben. Rund 2400 Sorten sind umfassend dargestellt und fotografisch dokumentiert worden. Von 5000 Akzessionen (Herkünften) der Hauptobst-Arten Apfel, Birne, Kirsche und Pflaume wurde ein genetisches Profil erstellt (SSR- Mikrosatelliten). Dabei zeigte sich, dass «nur» rund 2900 dieser „Akzessionen“ molekulargenetisch unterscheidbar und somit als „Sorten“ zu bezeichnen sind.  Diese Sorten wurden im Rahmen der BEVOG Projekte morphologisch und fotografisch beschrieben und in der Nationalen Datenbank für die Erhaltung und Nutzung pflanzengenetischer Ressourcen erfasst.

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Anleitung zur morphologischen Beschreibung von Obstsorten können dem Deskriptoren Handbuch entnommen werden.

Eine Zusammenfassung der beschriebenen Obstvielfalt finden Sie im Artikel „Beschreibung der Schweizer Obstvielfalt“ (Schweizer Zeitschrift für Obst- und Weinbau 3/15, PDF, 248 kB, 14.09.2016)

Krankheitsbeurteilung

Von den dokumentierten Obstgenressourcen konnten ausserdem Hunderte von Kernobst-Sorten auf ihre Anfälligkeit gegen Schorf, Mehltau und Feuerbrand untersucht werden. Rund 60% aller geprüften Äpfel sind tendenziell und 10% deutlich weniger feuerbrandanfällig als die anfällige Referenzsorte «Gala».  Die Feuerbrandtests erfolgten mit künstlicher Triebinokulation im Sicherheitsgewächshaus.  Auch wurde die Robustheit gegenüber der Blattfallkrankheit Marssonina coronaria näher ins Auge gefasst. Nach den Bonituren in Riedern-Roggwil werden die Bäume auch in der Versuchsparzelle in Horgen beurteilt. Weitere Informationen zur Anfälligkeit auf Schorf, Mehltau und Marssonina können den jeweiligen Sortenblättern entnommen werden.

Null Fungizid Parzelle (Horgen ZH)

Die Kernobstakzessionen aus dem Obstinventar wurden nacheinander gestaffelt in der Versuchsparzelle „Gottshalde“ am Standort Horgen (ZH) gepflanzt und beurteilt. Nachdem die erste Hälfte 2015 gerodet wurde, konnten im März 2015 die neuen Versuchsbäume gesetzt werden. Von jedem der einzigartigen 750 Genotypen stehen nun je zwei Bäume mit Zwischenveredlung auf der Unterlage M9 mit Zwischenveredelung. Zusätzlich wurden je 50 Bäume der Sorten ‚Gravensteiner’ und ‚Golden Delicious’ als Anzeigerbäume für den Krankheitsbefall mit Mehltau bzw. Schorf in die Parzelle gepflanzt. Um Standorteffekte bei den Beurteilungen der Bäume möglichst gering zu halten, wurden zwei Bäume pro Genotyp jeweils an unterschiedlichen Stellen auf der Parzelle gepflanzt. Die Anlage wurde mit der üblichen Infrastruktur ausgestattet und wurde während dem ersten Standjahr 2016 mit einer IP-Pflanzenschutz-Strategie bewirtschaftet. In den darauffolgenden Jahren wurde dann gänzlich auf Fungizid-Behandlungen verzichtet, um kontinuierlich den Krankheitsdruck durch die pilzlichen Erreger Podosphaera leucotricha (Apfelmehltau) und Venturia inaequalis (Apfelschorf) aufzubauen. In den folgenden Jahren wurden die Bäume auf Befallssymptome mit den beiden Erregern bonitiert, um die Krankheitsanfälligkeit oder -Robustheit der Sorten zu bewerten. Seit 2019 wird auch ein eventueller Befall durch das Pathogen Marssonina coronaria (Marssonina Blattfallkrankheit) kontrolliert.

Sortenblätter

Dieses Teilprojekt erstellt im Dienst der Allgemeinheit Sortenblätter aller Akzessionen (Apfel, Birne, Zwetschge und Kirsche), welche in einem NAP-PGREL Edelreiserschnittgarten verfügbar sind. Bis Ende 2022 sollen die allermeisten Sorten der Schnittgärten ein solches Sortenblatt erhalten.

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PomKom- Pomologische Kommission

In Zusammenarbeit mit Pomologen aus dem In- und Ausland werden Sorten verifiziert und unbekannte Akzessionen identifiziert oder mit einem Namen versehen. Bei der molekularen Analyse hat sich gezeigt, dass teilweise Akzessionen mit verschiedensten Namen das gleiche genetische Profil aufweisen, also genetisch gleich sein könnten. Diese Ergebnisse müssen nun mit Fruchtmustern und weiteren Daten abgeglichen und in das vorhandene pomologische Wissen eingebettet werden. Ein zusätzliches Ziel ist die Weitergabe von Wissen an den Pomologen Nachwuchs.

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Team Beschreibung von Obstgenressourcen:

  • Romano Andreoli (romano.andreoli(at)fructus.ch)
  • Jakob Schierscher
  • Bettina Hänni

Die Projekte zur Beschreibung von Obstgenressourcen werden im Auftrag von FRUCTUS bei Agroscope im Rahmen des nationalen Aktionsplans zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung pflanzengenetischer Ressourcen für die Ernährung und Landwirtschaft (NAP- PGREL) bearbeitet und vom Bundesamt für Landwirtschaft finanziell unterstützt.