Pomologische Studien des frühen 19. Jahrhunderts
Seit Ende des 18. Jahrhunderts nahm das wissenschaftliche und wirtschaftliche Interesse am Obstbau stark zu. Der damit verbundene Aufschwung des Obstanbaus und die immer unüberschaubarere Sortenvielfalt beschäftigten nicht nur Bauern und Hofgärtner, sie weckten auch das Interesse wissenschaftlich gebildeter Zeitgenossen.
Deshalb kamen in Europa immer genauere wissenschaftliche Beschreibungen der Obstsorten heraus. Darin wurde versucht, vor allem Äpfel und Birnen systematisch zu erfassen und zu klassifizieren. Der bedeutende deutsche Pomologe August F. A. Diel (1756–1839) etwa beschreibt in einem 21-bändigen Werk, das zwischen 1799 und 1832 entstand, über tausend Obstsorten. Auf seine Klassifizierung bezieht sich Caspar Tobias Zollikofer bei seinen Sortenstudien und übernimmt auch die
Methodik der Sortenbeschreibung von Diel.
In der Schweiz, einem einst bedeutungsvollen Obstland, kamen ab Mitte des 19. Jahrhunderts ebenfalls farbig illustrierte pomologische Beiträge heraus, die die Sortenkunde erweiterten. Bereits in den 1830er Jahren begann der naturwissenschaftlich gebildete Caspar Tobias Zollikofer gegen 200 Kernobstsorten, die damals in der Ostschweiz angebaut wurden, in aquarellierten wissenschaftlichen Zeichnungen abzubilden und teilweise auch zu beschreiben. Da dieses umfangreiche Bildwerk nicht vollendet wurde und darum auch nicht gedruckt vorlag, kannten es selbst Pomologen wie etwa Gustav Pfau-Schellenberg offenbar nicht. Dass diese bis heute ältesten illustrierten Sortenbeschreibungen der Schweiz rund 30 Jahre vor den bekannten pomologischen Standardwerken entstanden, macht sie als historische Dokumente besonders wertvoll.
Die aussergewöhnlich detailgetreuen Darstellungen von zum Teil erstmals beschriebenen oder heute nicht mehr bekannten Apfel- und Birnensorten wie dem «Knoblaucher» Apfel oder der «Strohbirne» sind einmalig und auch vom künstlerischen Ausdruck her bemerkenswert. Caspar Tobias Zollikofer ist es gelungen, die Kernobstsorten seiner weiteren Heimat authentisch festzuhalten.
Die erstmalige Herausgabe dieser Obstsortenstudien wird darum nicht nur Fachleute ansprechen, sondern auch Liebhaber kunstvoller Pflanzenbücher. Der Band ist eine kulturgeschichtliche Kostbarkeit im doppelten Sinn: Es wird nicht nur die einstige Obstsortenvielfalt dokumentiert, die künstlerisch wertvollen Darstellungen machen das Werk auch zu einem bibliophilen Geheimtipp über ein Kulturerbe, das hunderte von Jahren durch die Landwirtschaft bewahrt und gepflegt wurde.
Die Herausgabe dieses Buches wurde ermöglicht durch die Schwyzer-Stiftung, Zürich, und das Fideikommiss




